Die zweite Kommunalreform im 20. Jahrhundert brachte einschneidende Veränderungen für die drei Städte Radevormwald, Wermelskirchen und Hückes-wagen. Sie gehörten bis dahin gemeinsam dem Rhein-Wupper-Kreis an, mit der Kreisstadt Opladen. Zum 1.1.1975 wurde das Kreisgebiet im Zuge der kommunalen Neuordnung aufgelöst. Wermelskirchen gehört seitdem zum Rheinisch-Bergischen-Kreis, Hückeswagen und Radevormwald zum Oberbergischen Kreis. Alle drei Städte waren auch als Stadtteile von Remscheid im Gespräch. Wie kam es zu dieser Entwicklung und warum entschieden sich die Politiker für die heutige Lösung? Wer verlor und wer gewann? Das sind einige der Fragen, die in der Arbeitsgruppe geklärt werden.
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Die Atmosphäre war wie bei einem Klassentreffen und so etwas ähnliches war es dann auch. Am Samstag nachmittag trafen sich im Radevormwalder Verwaltungsgebäude der Sparkasse Mandatsträger des letzten Kreistages des ehemaligen Rhein-Wupper-Kreises und dessen Verwaltungs- mitglieder. Auf Einladung des Vereins „Bergische Zeitgeschichte“ kamen neun ehemalige Kreistags-mitglieder dieser aus kommunalpolitischer Sicht letzten großen Gebietsreform zu einem Wiedersehenstreffen zusammen.
Rückblick: 1975 wurde auf Beschluss des nordrhein-westfälischen Landtags die so genannte Kommunalgebiets- und Verwaltungsreform durchgeführt, bei der die Landkreise, Städte und Gemeinden „neu zugeschnitten“ wurden. Nachdem sich Ende der Sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts unter den Kommunalpolitikern der Plan mit den sich ankündigenden einschneidenden Veränderungen herumgesprochen hatte, begann das große Zittern und der Kampf um den Erhalt der Selbständigkeit der kommunalen Gebietskörperschaften und die Positionierung gegenüber den großen und kleinen Nachbarn.
Neun der damals beteiligten Kommunalpolitiker konnte der BZG-Vorsitzende Wolfgang Völkel mit seinem Team begrüßen. Alle neun Zeitzeugen der damaligen Geschehnisse wurden von den BZG-Mitgliedern interviewt.
Mit dem ehemaligen Kreiskämmerer Winfried Graf aus Langenfeld, Hilmar Selbach aus Leverkusen und Karl-Heinz-Friedrich aus Hückeswagen waren drei Verwaltungsangehörige bei dem Treffen anwesend. Aus Hückeswagen reiste weiter die ehemaligen Kreistagsmitglieder Hanshugo Berghaus und Agnes Biciste an. Die einzige Frau in der Runde bekleidete übrigens 1975 nach der fälligen Kommunalwahl das Amt der Bürgermeisterin. Aus Radevormwald kamen Horst Enneper und Dr. Horst Ronsdorf, Friedel Burghoff aus Wermelskirchen und Walter Schüller aus Leichlingen komplettierten den Kreis.
Und so erinnerte man sich gemeinsam im großen Sitzungssaal, wie der Anfang vom Ende begann. Winfried Graf: „Wir wussten alle, der Rhein-Wupper-Kreis würde aufgelöst werden, denn er war nicht mehr lebensfähig. Man wollte generell weg von den kleinen Verwaltungseinheiten und der Machthunger der Großstädte kam noch hinzu.“ Besonders tragisch für Hückeswagen war der Verlust von Bergisch Born. Durch die Abgabe des Stadtteils nach Remscheid verlor man etwa 1.500 Einwohner und mit ihr ein verkehrsgünstig gelegenes Gewerbegebiet. Aber die Schloss-Stadt behielt im Gegensatz zur ehemaligen Kreishauptstadt Opladen wenigstens ihre Selbständigkeit. Der heutige Leverkusener Stadtteil war dann auch nach einhelliger Meinung der große Verlierer dieser Reform. Und noch etwas entging dem neutralen Beobachter der Runde nicht: Nach Durchspielen aller politisch gewollten und ungewollten Varianten ist die Struktur des heutigen Oberbergischen Kreises im Grunde genommen reiner Zufall, hing doch das Ergebnis von sehr vielen Faktoren ab. Fazit der damaligen Entscheidungsträger: „Es gab bessere Möglichkeiten, es hätte aber auch schlimmer kommen können!“
In Kürze erscheinen auch diese Zeitzeugeninterviews auf einer CD und sind dann zum Selbstkostenpreis zu erwerben. Weitere Informationen erhalten sie auf dieser Homepage.
Arbeitsgruppe Kommunalreform lud Reform- veteranen zum “Klassentreffen” in die Sparkasse


