Auf den Spuren des Terrors
Der Ermordung von drei Kommunisten am 13. März 1932 folgte eine der größten politischen Demonstrationen, die es in Hückeswagen je gegeben hat. Schüler besichtigten unter Führung der BZG die Stationen dieser Ereignisse. Raus aus der Schule, rein in die Stad: Zwei zehnte Klassen der Realschule und der Hauptschule begaben sich gestern auf die Spuren eines der wichtigsten politischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts in Hückeswagen. Bruno Blumberg, Johann Fries und Wilhelm „Willi“ Mondre (in einigen alten Dokumenten auch Mondré geschrieben): Das waren die drei Hückeswagener Kommunisten, die am 13. März 1932 von Nationalsozialisten erschossen wurden. Die Ereignisse vor 75 Jahren waren eine der dunkelsten Stunden der Hückeswager Geschichte und doch nur Abbild der großen Konflikte dieser Zeit in Deutschland. Das linke Lager, Kommunisten und Sozialdemokraten, stand unversöhnlich den Nationalsozialisten gegenüber.
Die Zeitreise, die Wolfgang Völkel und Norman Schorl vom Verein Bergische Zeitgeschichte (BZG) organisiert hatten, begann an der Gaststätte „Alter Markt“, die früher einmal „Zur Krone“ hieß. Dort befand sich der Versammlungsraum der Nationalsozialisten, wo am Tag der letzten freien Wahlen vor der Machtergreifung 1933 eine Kundgebung stattfinden sollte. Von dort aus ging es unter anderem zum Haus des Dachdeckermeisters Arthur Marx. Dort waren Mondre und Fries durch Kopfschüsse tödlich verletzt worden. Letzte Station war die Grabstätte zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Hückeswagen. Ihnen zu Ehren legte Bürgermeister Uwe Ufer einen Kranz nieder.
Edith Duziak-Feldhoff, Geschichtslehrerin an der Realschule, hat das Thema Nationalsozialismus bisher nur allgemein behandelt. „Heute werden meine Schüler mit dem örtlichen Bezug konfrontiert“, sagte sie. Die Schüler der Montanusschule unter Leitung von Schulleiter Klaus Willborn hatten sich etwas Besonderes einfallen lassen. Die Schülerin Eva Müller
trug den Lebenslauf von Otto Fröhlich vor, dem vierten Toten, an den die Grabstätte erinnert. Er kam 1935 im Konzentrationslager ums Leben. Daniela Reich las den letzten Brief von Otto Fröhlich vor, den er aus dem
Lager an seine Lieben schrieb, und Luca Goebel ergänzte beide Vorträge durch einen nachdenklichen und mahnenden Vers. Sehr eindringliche Worte fand Ufer dann bei der Kranzniederlegung. Er stellte sie unter das Motto: „Wenn die Gewalt kommt, geht das Recht auf Krücken.“ Ufer erinnerte daran, dass auch in der heutigen Zeit die Tendenz bestehe, Bedrohungen zu ignorieren. „Wie die Ereignisse vor 75 Jahren zeigen,
kann so etwas überall passieren, wenn man der Gewalt die Herrschaft überlässt.“


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Bürgermeister Ufer und sein Stellver-treter Kuech legen einen Kranz am Grab der Opfer nieder.
Text und Fotos: N. Bangert
2007-04-03

