Podiumsdiskussion zur Auflösung des Rhein-Wupper-Kreises
Noch 30 Jahre nach Abschluss der kommunalen Gebietsreform von 1975 schlagen die Emotionen hoch. Das bewies am Freitag, den 21. Januar 2005 eine Podiumsveranstaltung im Heimatmuseum Hückeswagen, bei der vier Zeitzeugen Rede und Antwort standen.
Horst Enneper aus Radevormwald, Friedel Burghoff aus Wermelskirchen sowie die Hückeswagener Alt-Bürgermeisterin Agnes Biciste und Hanshugo Berghaus berichteten aus ihren Erinnerungen und stellten sich im Hückeswagener Heimatmuseum im Anschluss daran den Fragen des interessierten Publikums
Beschluss schon in den 1960er-Jahren
Die Landesregierung in Düsseldorf beschloss schon in den 1960er-Jahren eine Gebietsreform durchzuführen. Die Städte und Landkreise sollten größer und leistungsfähiger werden. Es war die Stunde der mächtigen Oberbürgermeister, die unter den Kommunalpolitikern auch „Fürsten“ genannt wurden. Außerdem wurde von der Landesregierung eine Kommission gebildet, die man später „Eising-Kommission“ nannte. Sie bestand aus Mitgliedern aller Fraktionen des nordrhein-westfälischen Landtages und besuchte die betroffenen Städten und Gemeinden vor Ort, die sich ihrer Haut erwehrten.
Schnell war klar, der Rhein-Wupper-Kreis würde zum 1. Januar 1975 aufgelöst werden. Dieser wurde am 1. August 1929 unter dem Namen Landkreis Solingen-Lenn.ep gebildet und erhielt 1931 seinen eigentlichen Namen. Sitz der Kreisverwaltung war die ehemals selbstständige Stadt Opladen, die heute ein Stadtteil von Leverkusen ist. Die Stadt Leverkusen selber war noch Bestandteil des Rhein-Wupper-Kreises, schied aber 1955 aus dem Verbund aus.
Bürgerbeteiligung und Mitbestimmung waren Fremdwörter
Die Begriffe Bürgerbeteiligung und Mitbestimmung in den Kommunen schienen damals Fremdwörter gewesen zu sein. Zwar gab es einige Parteiveranstaltungen und in der örtlichen Presse wurden die Bürger aufgefordert, ihre Meinung zu sagen, doch im Prinzip waren schon alle wichtigen Dinge im Vorfeld durch kleinere Zirkel entschieden worden.
Radevormwald: Eingemeindung nach Remscheid verhindert
Radevormwald konnte damals zwischen dem Rheinisch-Bergischen Kreis und den Oberbergischen Kreis mehr oder weniger auswählen. Horst Enneper erinnert sich: „Für Radevormwald war auch eine Eingemeindung nach Remscheid im Gespräch, doch konnte der damalige Bürgermeister Karl Schroer und der Stadtdirektor Dr. Joachim Ecarius das Land Düsseldorf umstimmen.“
Wermelskirchen: Der Retter Heinz Voetmann
Auch für Wermelskirchen ging es um den Erhalt der Selbstständigkeit. Friedel Burghoff mit seinen Erinnerungen: „Das wir nicht nach Remscheid eingemeindet wurden, haben wir in erster Linie dem damaligen Bürgermeister Heinz Voetmann zu verdanken. Er fuhr seiner Zeit nach Remscheid zu harten Gesprächen ins Schützenhaus und sicherte uns so das Überleben als eigenständige Stadt.“
Hückeswagen: Der große Verlierer
Der große Verlierer unter den drei bergischen Kleinstädten war jedoch Hückeswagen. Im Ergebnis verlor die Stadt den Ortsteil Bergisch Born und damit Gebiete in der Nähe wichtiger Fernstraßen sowie knapp 1.500 Einwohner. Zwar bildete sich vor Ort eine Interessengemeinschaft aber die Gründe für diese Entscheidung blieben auch an diesem Abend teilweise im Dunkeln. Jedenfalls hatte die Stadt Remscheid den Bürgern in Sachen Finanzen und Infrastruktur Versprechungen gemacht, und auch innerhalb der Interessengemeinschaft gab es unterschiedliche Meinungen.
Getrennte Wege seit 1975
Am liebsten wären die drei Städte in einer Verwaltungseinheit geblieben, doch Wermelskirchen setzt nun seinen Weg gemeinsam mit dem Rheinisch-Bergischen Kreis fort. Allen gemeinsam war damals auch der Kampf ums eigene Überleben und die Durchsetzung einer Verwaltungsreform, die Einsparungen durch Synergieeffekte erzielen sollte. Aber auch das gelang nur zum Teil, die Verwaltungskosten wachsen jetzt nicht mehr in Opladen, sondern in Gummersbach und Bergisch Gladbach.
Vor allem die beiden bergischen Großstädte Wuppertal und Remscheid streckten in der Umgebung von Wermelskirchen, Hückeswagen und Radevormwald die Fühler aus!“. Diese Aussage zeigte, wie tief noch 30 Jahre nach Auflösung des Rhein-Wupper-Kreises der Schrecken bei einigen beteiligten Kommunalpolitikern, Verwaltungsmitarbeitern und betroffenen Bürgern sitzt. Auf einem Podiumsgespräch mit vier Zeitzeugen – alle waren sie damals im alten Kreistag vertreten - ließ die Bergische Zeitgeschichte (BZG) die Ereignisse rund um die kommunale Gebietsreform 1975 noch einmal Revue passieren.
5 Hans Willi Kuech (stellv. Bürgermeister Hückeswagen), Antje Hofrichter (Ratsmitglied Bürgerforum Wermelskirchen), Eric Weik (Bürgermeister Wermelskirchen), Agnes Biciste (ehem. Bürgermeisterin Hückeswagen), Hans-Hugo Berghaus (Ratsmitglied Hückeswagen), Horst Enneper (Ratsmitglied Radevormwald)
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