„Macht Köpfen dumm?“ Diese Frage stellte der Journalist und Buchautor Armin Himmelrath am Mittwoch, den 28. Juni im Lindencafe an der August-Lüttgenau-Straße in Hückeswagen. Auf Einladung der Bergischen Zeitgeschichte (BZG) präsentierte er in der fußballfreien Zeit zwischen dem Achtel- und Viertelfinale „neu-este Studien in der Fußball-Feldforschung“. Die Antworten auf fundamentale Fragen von Fußballfans waren dabei manchmal mehr als verblüffend.
„Macht Köpfen dumm?“ – Buchvorstellung bei der BZG
Im Schnitt 3000 Kopfbälle pro Saison macht ein durchschnittlicher Abwehrspieler in der Fußball-Bundesliga. Eine Sache, die nach Meinung einiger Mediziner nicht ohne Folgen bleiben kann. Beispielsweise veröffentlichen Kinderärzte in den USA noch bis heute die Empfehlung für Zwölfjährige, keine Kopfbälle beim Fußballspielen zu machen.
Pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft hat nun der Journalist und Buchautor Armin Himmelrath seinen Beitrag zur „Literaturoffensive in der schönsten Nebensache der Welt“ geleistet. „Man kann sich diesem Thema auch auf dem Büchermarkt gar nicht entziehen. 600 Veröffentlichung sind in den letzten Monaten auf dem Markt erschienen“, betonte das BZG-Vorstandsmitglied.
In seinem Buch beleuchtet der Wermelskirchener Dutzende von wissenschaftlichen Untersuchungen rund um die Lederkugel: Streng eingeteilt in sieben Wissenschaftsfeldern und immer mit einem Augenzwinkern.
„Fußball in der Musikwissenschaft“ heißt eines der Themengebiete, in der eine Studie von Bernhard Leube die Frage untersucht, was die Kirchen von den Fankurven lernen können. „In vielen Gruppen gibt es einen Chantleader (eine Art Animateur und Vorsänger), der Gesänge anstimmt. Die Rolle ist vergleichbar mit der eines Kantors“, heißt es beispielsweise.
Eine weitere hoch interessante Untersuchung stammt von den britischen Anthropologen Russel Hill und Robert Barton. Sie fragten sich, ob die Farbe des Trikots bei zwei gleichstarken Mannschaften ein Spiel entscheiden kann. Die Studie kam zu dem verblüf-fenden Schluss: Sie kann! Mannschaften in roten Trikots gewinnen öfters, da die Farbe ein „sexuell begründetes, Testosteronabhängiges Signal männlicher Qualität“ darstelle.
Armin Himmelrath stellt auf einer skurrilen Lesereise noch viele weitere unterhaltsame aber hochprofessionelle Untersuchungen vor. Beleuchtet werden unter anderem die Fragen „Sind alle Schiris und Linienrichter blind“, „Ist Werner Hansch ein Reporter oder ein Dichter“ oder aber „Kann ein Lächeln die WM entscheiden“.
Aber noch lange seien laut Himmelrath nicht alle fundamentalen Fragen beantwortet. So fordert er ein Studie, die einmal beleuchtet, warum Fußballspieler so schlecht singen.
Am Ende der Buchvorstellung stellte er in einer Zusammenfassung den begeisterten Zuhörern den ultimativen Weg zur Weltmeisterschaft vor. „Deutschland wird Weltmeister, wenn die Spieler rote Trikots anziehen, immer ein Lächeln auf den Lippen haben, den Aberglauben bekämpfen, nicht so viel trainieren und vor allem vorsichtig jubeln, denn dabei bestehe eine hohe Verletzungsgefahr.
Übrigens: Die Frage ob „Köpfen dumm macht“ sei von den Wissenschaftlern noch nicht so recht beantwortet worden, schließlich sei das „Kopfball-Ungeheuer“ Horst Hrubesch trotz der vielen Erschütterungen einmal Nationaltrainer geworden.
Zur Information:
Armin Himmelrath wurde 1967 geboren. Er lebt als freier Journalist und Autor in Wermelskirchen. Er schreibt unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, Spiegel Online und den Deutschlandfunk. Selbst bezeichnet er sich als „chronischer Fan von Borussia Mönchengladbach“ Sein Buch „Macht Köpfen dumm?“ ist im Herder-Verlag erschienen, kostet 7 Euro und ist im hiesigen Buchhandel erhältlich. (ISBN-13: 978-3-451-05669-7)

Text: Norbert Bangert, Foto: Ralph Vesper

