Stadtspaziergang in Wermelskirchen erinnert an Täter und Opfer der NS-Diktatur

Ende Januar wird alljährlich der Befreiung vom Nationalsozialismus gedacht: Der 30. Januar steht als Symbol der so genannten Machtergreifung Hitlers im Jahr 1933. Armin Himmelrath, Dozent der Volkshochschule Bergisch Land, und stellvertretender Vorsitzender des Vereins „Bergische Zeitgeschichte“ (BZG), lud aus diesem Anlass zu einem politischen Stadtspaziergang ein. Ein Dutzend Interessenten machten sich mit ihm auf die Spuren des Nationalsozialismus in Wermelskirchen. So wurde der Schwanenplatz als Ausgangsort des Rundganges nicht zufällig gewählt. Armin Himmelrath erläuterte: „Es war der Aufmarschplatz der SA und der SS, und es waren nicht wenige Beteiligte. Gemäß eines zeitgenössischen Berichtes aus dem Jahr 1935 dauerte so ein Vorbeimarsch sieben Minuten, da kann man sich ausrechnen, wie viele Menschen daran beteiligt waren.“

Bei dem Stadtrundgang standen die Orte der Täter im Mittelpunkt der Erläuterungen, auch wenn der Weg an einigen „Stolpersteinen“ vorbeiführte, von denen es in Wermelskirchen insgesamt neun Exemplare gibt. Dabei handelt es sich um Pflastersteine, in denen Name und Lebensdaten von NS-Opfern eingraviert sind.

Die Jahnstraße 58 war der Wohnort von Alfred Straßweg, dem wohl „berühmtesten“ Nationalsozialisten Wermelskirchen. Im April 1932 wurde er NSDAP-Kreisleiter und gestaltete die Machtübernahme im Bergischen Land maßgeblich mit. Als Mitglied der Freikirche war er das, was man bibelfest nennt. „Das war wohl auch ein Grund, warum er hier in der Umgebung so populär wurde. Seine Rhetorik hatte manchmal sogar religiöse Züge“, erklärte Himmelrath.

Nicht nur Orte von Personen sondern auch von Institutionen waren weitere Stationen. Die Eich 49 beispielsweise war Geschäftsstelle der Deutschen Arbeiterfront. „Hier konnte man sich Zwangsarbeiter bestellen, dazu reichten zwei Formulare“, erinnerte Himmelrath. Vorbei ging es an der Kölner Straße34, einem von insgesamt fünf Heimen der Hitlerjugend. Dort versammelten sich laut Himmelrath Jungen und Mädchen ab zehn Jahren (die so genannten Pimpfe) und ab 14 Jahren einmal die Woche. Um den Kirchen die Jugend wegzunehmen, seien sogar eigens sonntags um 10 Uhr Veranstaltungen abgehalten worden, um die Jugendlichen vom Gottesdienstbesuch abzuhalten.

Interessant war auch das Gebäude Stockhauser Straße 10, das ehemalige Gefängnis der Stadt. Dort sind heute noch vier große Fenster zu sehen, und hinter jedem befand sich eine Zelle. Der Rundgang endete in der Nähe des ehemaligen Horst Wessel-Platzes, dem heutigen Heinrich-Heine-Platz.

Foto und Text: N. Bangert, Text erschienen auch in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Wermelskirchen vom 31.01.2006