Hückeswagens Tuchindustrie hatte einst Weltruhm. Zeugnisse dieser glorreichen Vergangenheit sind die alten Villen an der Bachstraße, die am Samstag Ziel eines Rundgangs des Vereins Bergische Zeitgeschichte (BZG) waren. Stadtführer, Heimatforscher und BZG-Mitglied Franz Mostert führte 30 Teilnehmer durch einen Teil Hückeswagens, der bei Stadtführungen bisher wenig Beachtung fand, aber einst als das schönste Entree der Schloss-Stadt galt.

Zuvor ging es allerdings ins Herz der Altstadt: die Marktstraße. "Hier ist eigentlich die Urzelle der Hückeswagener Tuchindustrie. In diesen kleinen, verwinkelten Häusern wurde in Heimarbeit gewebt", erläuterte Franz Mostert. Irgendwann zog es die immer wohlhabender werdenden Unternehmer aus der Enge der Altstadt heraus. An der nahe gelegenen Bachstraße bauten sie die ersten prächtigen Villen.

Eines der augenfälligsten Objekte ist die Tuchmachervilla an der Rader Straße 1. Extra für diesen Rundgang öffnete die Familie Franke die Türen dieses Schmuckstücks. Ein begeistertes "Oh" und "Ah" hallte durch den weitläufigen Flur, als Teilnehmer des Rundgangs das Anwesens betraten. Prächtige Stuckereien an Decke und Wänden, sehenswerte Türsturze und der Marmorfußboden im Flur sind stumme Zeugen des Wohlstands ihrer früheren Besitzer. "Dieses Haus haben Franz und Bertha Schnabel erbaut", erläuterte Franz Mostert die Vergangenheit des Gebäudes.

Text: N. Bangert, Fotos: W. Völkel

2007-07-25

Weiter ging es danach über die Bachstraße in Richtung Wiehagen/Ortsausgang. In fast jedem Haus wohnte früher ein Mitglied einer der vielen Tuchmacherfamilien, wie Mostert anhand der Eigentümer-Auflistungen nachweisen konnte. Aber auch neuere Geschichte wurde dort geschrieben. So etwa in einem Gebäude, in dem früher die Polizei untergebracht war. "Noch heute befinden sich die Zellen im Keller", so Mostert. Ein absolutes Muss ist die "Wichsdose". Heute befindet sich darin das "Weinkabinett". Schon die Ururgroßeltern von Edith Gerhards, der heutigen Besitzerin, lebten 1864 dort. Urkundlich erwähnt wurde das Haus aber bereits 1828.

Einige Fabrikantenhäuser existieren heute nicht mehr, beispielsweise die Holthaus'schen Fachwerkhäuser. Sie wurden Ende Januar 1974 abgerissen, da sie dem Ausbau der Ortsdurchfahrt weichen mussten.

BZG besucht Tuchmachervillen

Franz Mostert macht eine Führung durch die Bachstraße